Methodik 4. August 2026 · 4 Min. Lesezeit · 683 Wörter

Dosis-Wirkungs-Kurven auswerten: EC50, Hill-Steigung und die Grenzen der Anpassung

Was eine Kurvenanpassung leistet, welche Parameter sie liefert und wann das Ergebnis nicht belastbar ist.

Sigmoide Kurve mit markierten Wendepunkten
Foto: „DuPontCEC21-110“ von Abderitestatos · CC BY 4.0 · Quelle

Eine Dosis-Wirkungs-Kurve wird durch eine sigmoide Funktion angepasst, und diese Anpassung liefert mehrere Parameter, von denen meist nur einer berichtet wird. Die übrigen enthalten Information, die eine EC50 allein nicht transportiert.

Wer sie liest, erkennt außerdem, wann die Anpassung nicht trägt — was häufiger vorkommt, als die glatte Kurve im Diagramm vermuten lässt. Die folgenden Abschnitte gehen die Parameter durch.

Die vier Parameter

Eine vierparametrige logistische Anpassung liefert unteres Plateau, oberes Plateau, Wendepunkt und Hill-Steigung. Die EC50 ist der Wendepunkt, also nur einer von vieren. Die anderen drei bestimmen mit, wie belastbar er ist.

Wird nur die EC50 berichtet, fehlt die Information, ob die Kurve überhaupt beide Plateaus erreicht hat. Das ist die häufigste Lücke.

Warum beide Plateaus erreicht sein müssen

Ohne oberes Plateau ist der Wendepunkt eine Extrapolation und nicht eine Messung. Die angepasste EC50 kann dann um Größenordnungen danebenliegen. Dasselbe gilt für ein fehlendes unteres Plateau.

Praktisch heißt das: Die Verdünnungsreihe muss weit genug in beide Richtungen reichen. Ein Vorversuch grenzt den Bereich ein — siehe der Artikel zum ersten Ansatz mit einer neuen Substanz.

Die Hill-Steigung

Sie beschreibt, wie steil die Kurve durch den Wendepunkt läuft. Ein Wert nahe eins entspricht einer einfachen Bindung, deutlich abweichende Werte deuten auf Kooperativität, mehrere Bindungsstellen oder ein Artefakt hin. Sie ist damit ein Plausibilitätsindikator.

Eine Hill-Steigung von drei oder mehr in einem einfachen Rezeptorsystem ist ein Grund, die Daten zu prüfen statt sie zu berichten. Häufig steckt ein Löslichkeits- oder Adsorptionsproblem dahinter.

Das obere Plateau als Wirksamkeitsmaß

Die Höhe des Plateaus im Verhältnis zu einem Referenzliganden ist die Wirksamkeit. Sie ist eine eigene Aussage neben der Potenz und wird häufig übersehen. Zwei Substanzen mit gleicher EC50 können unterschiedlich hohe Plateaus erreichen.

Ohne Referenzligand im selben Lauf ist diese Aussage nicht möglich. Die Zusammenhänge stehen im Artikel zu Rezeptor-Bias.

Wie viele Punkte gebraucht werden

Für eine vierparametrige Anpassung sind mindestens sechs bis acht Konzentrationen sinnvoll, davon je zwei in den Plateaubereichen. Weniger Punkte machen die Anpassung instabil, mehr verbessern sie kaum. Der Platz auf der Platte entscheidet die Obergrenze.

Die Kontrollen kosten zusätzlich Positionen und sind trotzdem nicht verhandelbar. Die Zusammenhänge stehen im Artikel zu Assay-Kontrollen.

Wann die Anpassung nicht trägt

Bei fehlenden Plateaus, bei einer Hill-Steigung außerhalb des plausiblen Bereichs, bei sichtbarer Abnahme des Signals bei hohen Konzentrationen und bei einer Streuung, die größer ist als der Effekt. In allen vier Fällen ist die berichtete EC50 nicht belastbar.

Der vierte Fall ist der häufigste und wird am seltensten benannt. Die Konfidenzintervalle der Anpassung zeigen ihn unmittelbar.

Signalabnahme bei hohen Konzentrationen

Fällt das Signal am oberen Ende wieder ab, liegt häufig ein Löslichkeitsproblem, eine Zytotoxizität oder ein Kosolvenseffekt vor. Die Anpassung ignoriert diese Punkte oder verzerrt daran. Sie sollten aus der Anpassung ausgeschlossen und der Grund dokumentiert werden.

Ein Lösungsmittelkontrollansatz klärt den Kosolvensverdacht sofort. Die Zusammenhänge stehen im Artikel zur Löslichkeit.

Was neben der EC50 berichtet gehört

Konfidenzintervall, Hill-Steigung, Zahl der unabhängigen Wiederholungen und der Referenzligand. Vier Angaben, die eine EC50 überhaupt erst einordnen lassen. Ohne sie ist die Zahl allein wenig wert.

Zunehmend werden sie in Publikationen verlangt. Welche Angaben sonst gefordert sind, beschreibt der Artikel zu Zertifikat und Publikation.

Was in die Methodenbeschreibung gehört

Jede Entscheidung, die das Ergebnis verändert, gehört dokumentiert — Geräteparameter, Puffer, Inkubationsdauer, Auslesegröße und die mitgeführten Kontrollen. Was nicht aufgeschrieben ist, lässt sich weder wiederholen noch verteidigen. Der Aufwand beträgt wenige Zeilen je Versuch.

Für Publikationen sind diese Angaben inzwischen häufig ausdrücklich verlangt. Welche Felder gebraucht werden, beschreibt der Artikel zur Protokollführung.

Der Bezug zum Material

Jede Methode ist nur so belastbar wie das eingesetzte Material. Chargennummer, Reinheit mit Methode und der Peptidgehalt gehören deshalb in dieselbe Dokumentation wie die Assay-Parameter. Ohne diesen Bezug ist ein Ergebnis nicht auf eine Substanz zurückführbar.

Die Angaben stehen auf dem Chargenzertifikat und in der Spezifikationstabelle im Katalog. Die Übersicht der geführten Dokumente steht unter Analysezertifikate.

Nur für Forschungszwecke

Alle beschriebenen Verfahren beziehen sich auf die In-vitro-Laborarbeit mit analytischen Referenzstandards. Kronen Peptides veröffentlicht keine Angaben zu Dosierung, Verabreichung oder Anwendung an Mensch oder Tier.

Der rechtliche Rahmen steht im Schwerpunkt Recht und Compliance. Die Prüfverfahren des Katalogs stehen unter Qualität und Prüfverfahren.

Passende Referenzstandards im Katalog