Assay-Kontrollen richtig setzen: welche fehlen dürfen und welche nicht
Null-, Lösungsmittel-, Positiv- und Systemkontrolle — was jede beantwortet und was ohne sie offenbleibt.
Kontrollen sind der Teil eines Assays, der zuerst gestrichen wird, wenn der Platz auf der Platte knapp wird. Das ist verständlich und meist der teuerste Fehler des ganzen Versuchs, weil ohne sie kein Ergebnis interpretierbar ist — auch kein positives.
Vier Kontrollen decken den überwiegenden Bedarf ab, und jede beantwortet eine bestimmte Frage. Wer weiß, welche, kann begründet entscheiden, welche im Einzelfall entbehrlich ist. Die folgenden Abschnitte gehen sie durch.
Die Nullkontrolle
Ein Ansatz mit Puffer statt Testsubstanz definiert die Basislinie. Ohne sie ist jede Messung ein Absolutwert ohne Bezug. Sie ist die einzige Kontrolle, die nie entbehrlich ist.
Bei Systemen mit konstitutiver Aktivität — etwa Kernrezeptoren wie den ERR-Rezeptoren — ist sie zusätzlich der Ausgangspunkt der Kurve. Die Zusammenhänge stehen im Substanzprofil zu SLU-PP-332.
Die Lösungsmittelkontrolle
Ein Ansatz mit dem Rekonstitutionsmittel und gegebenenfalls dem Kosolvens, aber ohne Testsubstanz. Zeigt er einen Effekt, stammt er nicht von der Substanz. Bei Kosolvenseinsatz ist sie unverzichtbar.
Bei reiner Wasserlösung ohne Zusatz ist sie in etablierten Systemen entbehrlich. Bei bakteriostatischem Wasser mit Benzylalkohol ist sie es nicht — siehe der Artikel zu bakteriostatischem Wasser.
Die Positivkontrolle
Eine Substanz mit bekanntem Effekt im selben System. Bleibt ihr Effekt aus, liegt das Problem im Aufbau und nicht in der Testsubstanz. Sie ist die einzige Kontrolle, die ein negatives Ergebnis interpretierbar macht.
Für AMPK-Arbeiten ist das AICAR, für Melanocortin-Systeme Melanotan-2. Das Peptid-Lexikon nennt je Eintrag die passenden Referenzliganden.
Die Systemkontrolle
Ein Ansatz, der das Detektionssystem unabhängig vom biologischen Signal prüft — etwa ein Ionophor bei Calciummessungen oder ein direkter Enzymaktivator bei cAMP. Sie zeigt, ob der Nachweis überhaupt funktioniert.
Bei Fluoreszenzformaten ist sie besonders wichtig, weil ein nicht geladener Farbstoff wie ein fehlender Effekt aussieht. Das ist die häufigste Fehlerquelle dieser Formate.
Zusätzliche Kontrollen nach Bedarf
Ein Blindwert mit Gefäßmaterial allein bei metallempfindlichen Formaten, eine Stabilitätskontrolle bei langen Inkubationen, eine Endotoxinkontrolle bei immunologischen Auslesegrößen. Alle drei sind anlassbezogen.
Welche im konkreten Fall gebraucht wird, hängt an der Auslesegröße. Die Zusammenhänge stehen im Artikel zu Endotoxinen und zur Stabilität im Assay.
Was ohne Positivkontrolle offenbleibt
Ein negatives Ergebnis ist ohne sie nicht von einem fehlgeschlagenen Ansatz unterscheidbar. Das ist die häufigste und teuerste Lücke, weil sie oft erst nach mehreren Wiederholungen auffällt. Der Aufwand für die Vermeidung ist eine Vertiefung.
Bei Systemen ohne etablierten Referenzliganden — etwa den kurzen regulatorischen Peptiden — muss die Kontrolle aus der Substanzreihe selbst kommen. Die Zusammenhänge stehen im Profil der kurzen regulatorischen Peptide.
Die Platzrechnung
Auf einer Platte mit sechsundneunzig Vertiefungen kosten vier Kontrollen in Dreifachbestimmung zwölf Positionen. Das ist ein Achtel der Platte und der beste Einsatz dieses Platzes. Der Rest verteilt sich auf die Verdünnungsreihe.
Wer stattdessen eine weitere Konzentrationsstufe unterbringt, gewinnt einen Datenpunkt und verliert die Interpretierbarkeit aller anderen. Die Rechnung geht selten auf.
Die Dokumentation
Welche Kontrollen mitliefen und mit welchem Ergebnis gehört ins Protokoll. Bei einer späteren Rückfrage ist das die entscheidende Information. Ein Versuch ohne dokumentierte Kontrollen ist im Nachhinein nicht bewertbar.
Die Felder nennt der Artikel zur Protokollführung. Der Eintrag kostet eine Zeile.
Was in die Methodenbeschreibung gehört
Jede Entscheidung, die das Ergebnis verändert, gehört dokumentiert — Geräteparameter, Puffer, Inkubationsdauer, Auslesegröße und die mitgeführten Kontrollen. Was nicht aufgeschrieben ist, lässt sich weder wiederholen noch verteidigen. Der Aufwand beträgt wenige Zeilen je Versuch.
Für Publikationen sind diese Angaben inzwischen häufig ausdrücklich verlangt. Welche Felder gebraucht werden, beschreibt der Artikel zur Protokollführung.
Der Bezug zum Material
Jede Methode ist nur so belastbar wie das eingesetzte Material. Chargennummer, Reinheit mit Methode und der Peptidgehalt gehören deshalb in dieselbe Dokumentation wie die Assay-Parameter. Ohne diesen Bezug ist ein Ergebnis nicht auf eine Substanz zurückführbar.
Die Angaben stehen auf dem Chargenzertifikat und in der Spezifikationstabelle im Katalog. Die Übersicht der geführten Dokumente steht unter Analysezertifikate.
Nur für Forschungszwecke
Alle beschriebenen Verfahren beziehen sich auf die In-vitro-Laborarbeit mit analytischen Referenzstandards. Kronen Peptides veröffentlicht keine Angaben zu Dosierung, Verabreichung oder Anwendung an Mensch oder Tier.
Der rechtliche Rahmen steht im Schwerpunkt Recht und Compliance. Die Prüfverfahren des Katalogs stehen unter Qualität und Prüfverfahren.