Handhabung 27. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit · 661 Wörter

Entnahme aus dem Septum-Vial: Kontamination vermeiden

Wischen, trocknen lassen, frische Kanüle, Druckausgleich — die vier Regeln, die eine Arbeitslösung über Wochen brauchbar halten.

Vialreihe mit angesetzten Entnahmehilfen
Foto: „Pippette“ von Srini297 · CC BY-SA 4.0 · Quelle

Ein rekonstituiertes Vial, aus dem über Wochen entnommen wird, steht und fällt mit der Entnahmetechnik. Der bakteriostatische Zusatz hemmt Wachstum, er kompensiert keine unsaubere Handhabung. Vier Regeln decken den gesamten Bedarf ab.

Alle vier sind einfach und werden trotzdem regelmäßig verkürzt, weil sie im Einzelfall folgenlos bleiben. Der Schaden entsteht kumulativ über viele Entnahmen. Die folgenden Punkte beschreiben jede Regel mit ihrer Begründung.

Regel 1: das Septum abwischen

Vor jeder Entnahme mit einem Alkoholtupfer über die Gummimembran wischen. Das entfernt Partikel und Keime, die sich seit der letzten Entnahme abgesetzt haben. Der Schritt dauert Sekunden.

Wichtig ist, dass es vor jeder Entnahme geschieht und nicht nur vor der ersten. Passende Alkoholtupfer mit 75 Prozent Isopropanol stehen in der Kategorie Laborbedarf.

Regel 2: trocknen lassen

Der Alkohol muss verdunstet sein, bevor die Kanüle einsticht. Andernfalls wird Alkohol in die Lösung eingetragen, was bei mehrfacher Entnahme die Zusammensetzung verändert. Zwanzig Sekunden genügen in der Regel.

Dieser Schritt wird am häufigsten übersprungen, weil er wie eine Formalie wirkt. Über zwanzig Entnahmen summiert sich der Alkoholeintrag messbar. Er gehört zu den Faktoren, die im Kontrollansatz auffallen würden.

Regel 3: frische Kanüle je Entnahme

Eine bereits verwendete Kanüle trägt Material von der letzten Entnahme und aus der Umgebungsluft. Bei mehrfacher Verwendung wird das Vial systematisch kontaminiert. Sterile Einwegkanülen kosten wenig und lösen das Problem vollständig.

Zugleich stumpft eine mehrfach verwendete Kanüle ab und stanzt Gummipartikel aus dem Septum. Diese Partikel landen in der Lösung. Passende sterile Einwegspritzen stehen im Katalog.

Regel 4: Druckausgleich beachten

Wird Flüssigkeit entnommen, entsteht im Vial ein Unterdruck, der die Entnahme erschwert und ungenau macht. Das Einbringen eines gleichen Luftvolumens vor der Entnahme gleicht das aus. Die Luft sollte über dieselbe frische Kanüle eingebracht werden.

Bei Vials unter Vakuum ist der Effekt beim ersten Anstechen umgekehrt und deutlich spürbar. Ein fehlender Sog beim ersten Anstechen deutet auf eine undichte Versiegelung hin. Die Beobachtung beschreibt der Artikel zur Sichtprüfung.

Wie oft ein Septum angestochen werden kann

Die Membran verträgt eine begrenzte Zahl von Einstichen, bevor sie undicht wird. Bei üblichen Materialien liegt die Grenze im niedrigen zweistelligen Bereich. Danach entweicht Lösungsmittel und Luftfeuchtigkeit dringt ein.

Wer häufiger entnimmt, sollte die Lösung stattdessen aliquotieren. Die Systematik beschreibt der Artikel zum Aliquotieren. Sie ist ohnehin die überlegene Strategie.

Lagerung zwischen den Entnahmen

Die Arbeitslösung bei zwei bis acht Grad aufbewahren, aufrecht und lichtgeschützt. Aufrecht, damit die Lösung nicht dauerhaft am Septum steht, was dessen Dichtigkeit belastet. Lichtgeschützt insbesondere bei Kupferkomplexen.

Das Datum der ersten Entnahme gehört auf das Etikett, weil die Verwendungsfrist ab diesem Zeitpunkt läuft. Ein Filzstiftstrich genügt. Die Fristen stehen im Artikel zu Stabilität und Haltbarkeit.

Wann eine Lösung zu verwerfen ist

Bei Trübung, sichtbaren Partikeln, Farbveränderung oder nach Ablauf der Verwendungsfrist. Alle vier sind eindeutig und keiner davon ist verhandelbar. Eine trübe Lösung im Assay erzeugt Ergebnisse, die niemand interpretieren kann.

Die erwartete Erscheinung steht in der Spezifikationstabelle. Bei Kupferkomplexen ist die Farbe ein Prüfmerkmal — siehe Farbe als Prüfmerkmal.

Was ins Protokoll gehört

Das Datum der Rekonstitution, das Datum der ersten Entnahme und die Zahl der bisherigen Entnahmen, wenn aus einem Vial über längere Zeit gearbeitet wird. Drei Angaben, die den Zustand der Lösung dokumentieren. Sie sind nirgends sonst erfasst.

Welche Felder sonst gebraucht werden, beschreibt der Artikel zur Protokollführung. Der Aufwand beträgt eine Zeile.

Arbeiten unter der Sterilbank

Für zellkulturbezogene Arbeiten ist die Entnahme unter einer Sicherheitswerkbank die sauberste Lösung, weil die Umgebungsluft dann keine Rolle spielt. Die vier Regeln gelten dort unverändert, weil sie die Membran und nicht die Raumluft betreffen. Der Aufwand bleibt derselbe.

Ohne Werkbank ist ein ruhiger Arbeitsplatz ohne Luftzug die praktikable Alternative. Neben einem geöffneten Fenster oder unter einem Lüftungsauslass sollte nicht entnommen werden. Der Unterschied ist über viele Entnahmen messbar.

Die vier Regeln

Wischen, trocknen lassen, frische Kanüle, Druckausgleich. Zusammen dauern sie unter einer Minute je Entnahme. Sie halten eine Arbeitslösung über Wochen brauchbar.

Wer häufiger als etwa zehnmal aus einem Vial entnimmt, sollte stattdessen aliquotieren. Das passende Verbrauchsmaterial steht in der Kategorie Laborbedarf.

Passende Referenzstandards im Katalog